Bären unter der Lupe

Nimrods – Bärige Jagdgesellschaft

1. Dezember, 2011 - Kategorie: Aktuell, Antik & Auktion
Bären unter der Lupe

Bekleidete Teddybären von Steiff gehören zu den beliebtesten Sammlerobjekten überhaupt. So auch die als Jäger ausgeführten Nimrod-Bären. Deren Name ist biblischen Ursprungs. Ein Urenkel Noahs, der Nimrod hieß, wurde als „gewaltiger Jäger vor dem Herrn“ charakterisiert.

Mit dem Begriff Nimrod wird heutzutage vor allem der nordamerikanische Jäger in Verbindung gebracht. Auch Theodore Roosevelt, der ehemaliger US-Präsident und Namensgeber des Teddybären, wird in seiner typischen Jagdkleidung als solcher tituliert. Zu seinen Ehren stellte Steiff eine Gruppe Teddybären in Jägerkleidung her – angelehnt an die weit verbreitete Geschichte einer Hochzeit im Hause Roosevelt, zu deren Anlass Teddys in Jägerkleidung als Tischdekoration gedient haben sollen. Es ist zwar belegt, dass diese Hochzeit im Jahr 1906 stattgefunden hat. Jedoch gibt es keine Dokumente die bestätigen, dass tatsächlich Bären die Tische schmückten.

Geschicktes Marketing

Möglicherweise handelt es sich bei der ganzen Geschichte um einen geschickten Werbegag des Giengener Unternehmens Steiff. Diese Geschichte würde damit auf den Erfindungsreichtum des Werbestrategen Karl Vallendor zurückgehen, der unter anderem die Jubiläumschroniken von 1930 und 1955 verfasst hat. Im Jahrbuch von 1930, das zum 50-Jährigen Bestehen von Steiff erschien, ist von einer Hochzeit mit entsprechender Dekoration noch nicht die Rede. Hier heißt es wörtlich: „Nun war aber gerade die Amtszeit des amerikanischen Präsidenten Theodore Roosevelt, der ein leidenschaftlicher Bärenjäger war. Als nun die ersten Muster des neuen Bären nach Amerika kamen, nahmen die Amerikaner den drolligen Gesellen als nationales Symbol für die glücklichen Jagden ihres Präsidenten und nannten ihn Teddybär.“

In der Chronik von 1955 heißt es hingegen: „Der damalige Präsident der USA, Theodore Roosevelt, wurde im Volksmund Teddy – die Kurzform von Theodore – genannt. Er war als großer Bärenjäger bekannt. Anlässlich einer Hochzeitsfeier fanden die kurz vorher aus Giengen eingetroffenen Plüschbären als Tafeldekoration Verwendung. Da der Präsident und die anderen Gäste über diese kuriose Symbolik höchst begeistert waren und die Presse den Vorfall aufgriff, hatte der kleine Plüschbär von da an seinen Namen gefunden.“ Bereits zwei Jahre vor dem Erscheinen dieser Schrift stellte Steiff die Nimrod-Bären in ihrem Neuheitenkatalog von 1953 vor. In diesem ist die Geschichte um die angebliche Hochzeit ebenfalls erwähnt, hier sogar mit direkter Aussage zu der Art der als Dekoration verwendeten Bären: „Nimrod Teddy, gegliedert, Mohair. In Jägerkleidung mit Gewehr … Solche Gruppen standen auf der Hochzeitstafel im Hause Roosevelt, wobei der Teddybär seinen Namen erhielt (Theodore = Teddy).“

Feststimmung

Die Nimrods erschienen 1953, zeitgleich mit dem Steiff-Jubiläumsbären Jackie. Zu diesem Zeitpunkt galt das Jahr 1903 noch als Entstehungsjahr des Teddybären. Heute weiß man, dass Richard Steiff bereits ein Jahr zuvor den gegliederten Teddybären entwickelt hatte. Um die bisherige Geschichte der Firma Steiff nicht ändern zu müssen, wurde das Jahr 1903 als erstes Verkaufsjahr des Teddybären bezeichnet. Zugleich ist es auch das erste Jahr, in dem der Petz auf einer Messe vorgestellt wurde.

Ursprünglich gab es die Nimrod-Bären in vier verschiedenen Bekleidungsvarianten: drei Jäger und einen Angler. Auf frühen Werbeabbildungen tragen diese Petze noch Kleider aus Leder, jedoch wurden sie in der endgültigen Version mit Filzbekleidung hergestellt. Es gab sie zunächst nur in einer Größe, die in den Katalogen der Jahre 1953 und 1954 als Artikel 5322N, also mit 22 Zentimeter Stehgröße bezeichnet wurde.

Sonderausführungen

In den vergangenen Jahren kamen im Rahmen der Auktionen zum Steiff-Festival von Steiff-Experte Günther Pfeiffer zwei größere Modelle unter den Hammer: ein Nimrod war 50 Zentimeter groß und ein zweiter sogar 65 Zentimeter. Diese großen Petze finden sich in keinem der bekannten Steiff-Kataloge. Sie wurden sehr wahrscheinlich zu einem späteren Zeitpunkt, nämlich 1958 hergestellt, als zu Ehren Theodore Roosevelts ein großer Festumzug, genannt Teddy-Festival, in Giengen stattfand.

Eine zu diesem Anlass herausgegebene Werbebroschüre von Steiff zeigt auf dem Titelbild eine Gruppe großer Nimrod-Bären, dazu eine fast lebensgroß wirkende Steiff-Figur, die Roosevelt auf einem Pferd sitzend darstellt. Zusätzlich wurde in diesem Jahr ein Faltblatt mit dem Titel „Wie Theodore (Teddy) Roosevelt dem Teddy seinen Namen gab“, ausgegeben. Auch in diesen Werbebroschüren wird noch einmal ausführlich die Geschichte um die Namensgebung erwähnt, hier sogar mit dem Namen der glücklichen Braut: „Theodore Roosevelt ist also der Namenspatron des Teddybären. Die Namensgebung erfolgte im Weißen Haus bei einer Hochzeitsfeier, welche für Alice, die Tochter des Präsidenten, im Jahre 1906 stattfand.“ Alice Roosevelt hat in diesem Jahr tatsächlich geheiratet. Ihr Ehemann wurde der Kongressabgeordnete Nicholas Longworth. Über die Anwesenheit von Teddybären bei dieser Hochzeit gibt es dennoch keine Belege. Dass der amerikanische Präsident Roosevelt der Namensgeber des Teddybären ist, gilt dagegen als unbestrittene Tatsache.

Identifikationshilfen

Ein Gutes hat der Erfindungsreichtum der Werbeverantwortlichen von Steiff auf alle Fälle: Er beschert den Sammlern eine Reihe sehr seltener bekleideter Teddybären, die in unbespieltem Erhaltungszustand nur sehr schwer zu finden sind. Insgesamt wurden 1953 und 1954 weniger als 4.500 der 22 Zentimeter großen Bären in allen Bekleidungsausführungen hergestellt. Wie viele große Nimrods produziert worden sind, ist leider nicht bekannt. Vermutlich waren es aber nur wenige Exemplare, die anlässlich des Teddy-Festivals im Jahr 1958 als Werbedekoration benötigt wurden.

Obwohl die Nimrods sehr selten sind, gehören sie nicht zu den teuersten Teddybären der Nachkriegszeit. Nur komplett erhaltene Stücke erzielen einigermaßen hohe Preise. Und dann aber auch nur, wenn sie eine lesbare Ohrfahne tragen. Da die Artikelnummer der originalen Nimrod-Bären ein „N“ für Nimrod trägt, ist diese Ohrfahne zweifelsfrei zuzuordnen: die Nummer 5322N wurde für kein weiteres Steiff-Produkt ausgegeben. Vermutlich sind die Sammler hier sehr vorsichtig, da schon im Jahr 1983 eine limitierte Version der Nimrod-Bären angeboten wurde, die den Originalen sehr ähnlich ist. Drei der ursprünglich vier Bären wurden in einem sehr schönen Display-Karton als limitierte Auflage verkauft. Diese Sammler-Replik wird immer wieder als reiner USA-Artikel bezeichnet, kam aber auch in den deutschen Handel. Heute werden diese Bären-Repliken nicht selten einzeln und ohne Knopf und Fahne angeboten. Damit sind sie – vor allem auf Bildern in Internetauktionen – nur schwer von den Originalen zu unterscheiden.

Ein kleiner Tipp: alle bisher bekannten Originale der alten Nimrod-Serie tragen unter dem rechten Arm die zu der Zeit bis 1954 übliche US-Zonenfahne mit der Aufschrift „Made in US-Zone Germany“. Sollte also jemand einmal einen solchen Petz in die Hand bekommen und sich aufgrund fehlender Steiff-Warenzeichen nicht ganz sicher sein, ob es sich um ein originales Stück aus der Zeit 1953/54 handelt, so kann ein Blick unter den rechten Arm hilfreich bei der Identifizierung sein.

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