Bauchgefühl

Heidi Deistings Bären mit dem Glöckchen

8. Januar, 2010 - Kategorie: Aktuell, Teddy- und Plüschtierwelten
Bauchgefühl

Die Liebe zu Teddybären wurde in Heidi Deisting schon früh geweckt – das Bärenmachen entdeckte sie jedoch erst spät. Mittlerweile ist aus ihr eine Bärenkünstlerin geworden, die mit Recht stolz sein kann auf eine große Reihe an Auszeichnungen, die sie bei Wettbewerben im In- und Ausland mit ihren Mini-Bell-Bären erringen konnte.

Aufgewachsen in einer künst­­lerisch veranlagten Familie, malte und töpferte die Münchnerin Heidi Deisting als Kind „was das Zeug hielt“. Auch bildhauerisches Arbeiten und Holz schnitzen gehörten zu ihren Hobbys. Zu einer Zeit, in der eine frühkindliche Förderung künstlerischer Talente nicht unbedingt an der Tagesordnung war, wurde Heidi Deisting von ihren Eltern diesbezüglich hervorragend unterstützt. Während ihrer Kindheit in Hamburg suchte sie immer wieder gemeinsam mit ihrem Vater die Gegend nach Tonerde ab. Daran und an die sich anschließende gemeinsame Modellierarbeit erinnert sich Heidi Deisting noch heute gern zurück. Sogar einen Brennofen gab es damals schon im Elternhaus der Bärenkünstlerin. Daran änderte selbst der Umzug nach München im Jahr 1956 nichts. Auch winzig kleine Püppchen aus Wolle fertigte Heidi Deisting in Kindertagen. Ihr liebster Spielkamerad war jedoch ein ganz besonderer Petz: „Mein Vater brachte mir nach zweieinhalb Jahren Kriegsgefangenschaft 1947 einen selbst gemachten Teddy mit, den er aus seiner grünen Armeedecke gefertigt hatte. Er ist mit dem Stroh seines Schlafsacks gefüllt. Dieser Bär ist auch heute noch mein unbestrittener Liebling.“

Der erste Versuch

Trotz dieser engen, bärigen Freundschaft spielte das Bärenmachen zunächst keine Rolle in Heidi Deistings Leben. Lieber widmete sie sich der Reproduktion alter deutscher Charakterpuppen, dem Malen, Bildhauern und Schnitzen. Auch der Besuch einer Münchner Bärenausstellung im Jahr 1999 und ein geschenkter Teddyschnitt inklusive des benötigten Materials konnten daran nichts ändern. Zwar machte sie sich sogleich an die Arbeit, doch dieser erste Teddy entstand „relativ lustlos“. Und obwohl Heidi Deisting mit dem Ergebnis durchaus zufrieden war, verspürte sie eine gewisse Enttäuschung. Es war nicht ihre eigene Idee, nicht ihr eigenes Design.

Zu dieser Zeit rief sich die Künstlerin ihre frühen Püppchen ins Gedächtnis – und ihr war klar, was sie wollte: „Ganz, ganz kleine Bärchen.“ Heidi Deisting erinnert sich: „Ich habe mir überlegt, wie klein ich wohl einen Bären gestalten kann, ohne dass er sein typisches Aussehen verliert. Denn auch die Minis sollten selbstverständlich noch als Bären erkennbar sein.“ Im Januar 2000 entstand eine Bärengruppe als Tableau, die sie extra für den Wettbewerb beim Neustadter PuppenFestival fertigte und mit der sie prompt den 2. Platz belegte. „Diese Bärengruppe, bestehend aus vier Schweinchen und vier Bärchen, die gegeneinander Eishockey spielen, hat mir bei der Ausgestaltung und beim Nähen riesigen Spaß bereitet. Trotzdem war ich über diesen 2. Platz, den ich als Neuling quasi auf Anhieb errungen hatte, erstaunt.“ Mit den Jahren sollten weitere Auszeichnungen folgen – allein im vergangenen Jahr belegte Heidi Deisting den 1. und 3. Platz beim TED Worldwide sowie Rang eins bei der Europameisterschaft in Essen in der Jurywertung und Platz zwei in der Publikumswertung. Die kleinen Bärchen der sympathischen Künstlerin überzeugen also nicht nur strenge Jury-Augen, sie treffen auch den Geschmack des Publikums, das häufig nach subjektivem Empfinden entscheidet. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Bärchen über eine Ausstrahlung verfügen, die den Betrachter sogleich faszinieren.

Glöckchen im Bauch

Heidi Deistings Mini-Bell-Bären sind ausnahmslos Unikate, zwischen 2,5 und 7,5 Zentimeter klein, haben mindestens fünf Gelenke und sind ganz traditionell mit Holzwolle gestopft. „Dies ist natürlich gerade bei den kleinen Bären eine große Herausforderung, erfordert Geduld und Fingerspitzengefühl“, erklärt Deisting. Viel Wert legt die Bärenmacherin auf die Details: „Es gibt kaum ein Kleidungsstück, das nicht geknöpft oder zugebunden werden kann. Selbst die Unterhosen haben ein Gummiband. Die Krallen sind auch dann gestickt, wenn der Bär Strümpfe und Schuhe trägt.“ Eine weitere gebrauchsmustergeschützte Besonderheit befindet sich im Inneren der Mini-Bell-Bären: ein winziges Glöckchen im Bauch.

Viel zu verdanken hat Heidi Deisting ihrem im vergangenen Frühjahr verstorbenen Ehemann. „Die Gestaltung meiner Homepage, Werbung, Bilder: Um all das hat sich immer mein Mann gekümmert, sodass ich mich voll auf das Fertigen der Bären konzentrieren konnte“, erzählt die Bärenmacherin. In ihrem schmerzlichen Verlust fand Heidi Deisting Trost durch ihr erfüllendes Hobby und natürlich durch ihre Familie. „Vor allem meine Kinder stehen mir in jeder Hinsicht zur Seite.“

Trotz ihres Erfolgs und der vielen Auszeichnungen betont Heidi Deisting, dass Sie die Bärchen in erster Linie aus Freude und „für sich selbst“ fertigt. Natürlich freut sie sich darüber, dass ihre Minis so gern gemocht werden und sie ist stolz auf jeden verkauften Bären. Doch Profit ist keinesfalls die alleinige Motivation für ihre Tätigkeit. „Die Liebe zu den Bären steht bei mir seit jeher im Vordergrund.“ Diese Begeisterung verbindet Heidi Deisting mit handwerklichem Können und großem Ideenreichtum. Ein guter Mix, der sicher noch viele Mini-Bell-Bären entstehen lassen wird.

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