Realismus in XXS

Der Naturalismus von Jutta Michels

29. September, 2011 - Kategorie: Aktuell, Teddy- und Plüschtierwelten
Realismus in XXS

In ihrem Atelier entstehen neben gekonnt gefertigten Bären und Hasen auch lebensechte Nachbildungen von anderen Wildtieren, die durch ihre hohe Detailtreue sowie ausgefallene Accessoires bestechen. Die in Gerolstein lebende Künstlerin Jutta Michels konnte mit ihre kleinen Kreationen neben Teddyfans weltweit bereits Juroren auf unterschiedlichen nationalen und internationalen Wettbewerben überzeugen.

Die engagierte Künstlerin begann 1996 mit dem Fertigen von Teddys. Auslöser war der Besuch eines Volkshochschulkurses, in dem sie die Grundlagen des Bärenmachens erlernte. Dies war jedoch nicht ihr erster Kontakt mit der Welt der Kunst. Vielmehr begünstigten es diverse Vorkenntnisse, dieses Handwerk für sich zu entdecken.

Prägung und Werdegang

„Vor meinem ersten Kontakt mit den Bären hatte ich mich intensiv der Malerei gewidmet. Mein Schwerpunkt lag dabei auf der fotorealistische Darstellung von Tieren. Zusätzlich belegte ich 1990 einen Fernlehrgang im Fach ‚Karikatur- und Pressezeichnen‘, das ich mit einem Diplom abschloss. Von meiner Mutter, die Damenschneiderin war, hatte ich zudem schon früh die Grundlagen des Schneiderhandwerks erlernt.“ Im Bärenmachen erkannte Jutta Michels die Möglichkeit, alles bisher Erlernte zusammenzufügen – angefangen bei der Nähfertigkeit über die Zeichenkenntnisse bis hin zu ihrer scheinbar nie versiegenden Kreativität.

Aufgrund dieser umfangreichen Vorkenntnisse dauerte es nicht lange, bis Jutta Michels Teddys nicht nur nach fremden Schnittmustern, sondern auch nach eigenen Entwürfen fertigte. Den Bären folgten schon bald verschiedene Darstellungen von Hasen, worin der Unternehmensname „Mic Bären & Hasen“ begründet liegt. Im Laufe ihrer künstlerischen Karriere gesellten sich zu diesen aber auch viele andere, detailreich gefertigte Tiere hinzu.

„Manchmal reizt mich die Herausforderung, ein Tier möglichst realistisch darzustellen. So zum Beispiel das Rentier Silvermoon“, erklärt Jutta Michels stolz. Das Sujet wurde 2011 sowohl mit einem GOLDEN GEORGE als auch mit einen „TOBY Industrie’s Choice Award“, einer Auszeichnung des amerikanischen Magazins Teddybear & friends ausgezeichnet.

Inspirationen

Besonders anspruchsvoll gestaltet sich für Jutta Michels stets das Anfertigen ganzer Szenen mit mehreren, zum Teil ganz unterschiedlichen Tieren. Besondere Freude bereitet es der Künstlerin Szenerien zu entwerfen, in denen natürliche Fressfeinde wie Fuchs und Hase oder Katze und Maus friedlich koexistieren. Im Wesentlichen lässt sie sich von der Natur und den vielen possierlichen Geschöpfen inspirieren. Doch auch ein Märchen wie „Der gestiefelte Kater“ oder ein originelles Accessoire, wie der Parfumflacon für das Stinktier „Eau de Cologne“, können Auslöser für eine neue Schöpfung sein.

Puppen interessierten Jutta Michels noch nie. Selbst als kleines Mädchen hatte sie eine Affinität zu Plüschtieren. Sie gab ihr Taschengeld für neue Steifftiere aus. Mittlerweile ist aus dieser Passion ein Beruf geworden, der keine Zeit mehr lässt für ein weiteres Hobby. „Als Ausgleich zum vielen Sitzen in der Werkstatt versuche ich, etwas Sport zu treiben. Ansonsten macht das Entwerfen der Tiere so viel Freude, dass ich mich gar nicht entspannen will“, erklärt die sympathische Künstlerin fröhlich.

Entwicklungen

Fragt man Jutta Michels nach einem Erlebnis mit ihren Kreationen, das ihr ganz besonders in Erinnerung geblieben ist, lächelt die Künstlerin und beginnt zu erzählen. „Ich hatte für einen Kunden in England eine russische Troika mit mehreren Pferden entworfen, die vor einigen Jahren auf der TEDDYBÄR TOTAL vorgestellt wurde. Eine langjährige Kundin mit ihrer Mutter besuchte mich auf der Ausstellung und beide waren von den Pferden des Gespanns beeindruckt. Besonders der Apfelschimmel in der Mitte hatte es ihnen angetan. Einige Tage nach der Ausstellung rief mich die Tochter an und bestellte als Weihnachtsgeschenk für ihre Mutter einen Apfelschimmel mit Schlitten. Auf diesem sollte zusätzlich noch ein Bär sitzen.

Am darauffolgenden Tag meldete sich die Mutter bei mir und bestellte ebenfalls als Weihnachtsgeschenk für ihre Tochter einen Apfelschimmel, der Satteltaschen tragen sollte. Die Gesichter der Beiden an Heiligabend hätte ich sehr gerne gesehen, als sie feststellten, dass sie sich gegenseitig ein Pferd geschenkt haben.“

Solche Erlebnisse animieren die Künstlerin sich stetig weiterzuentwickeln und an ihren Fähigkeiten zu arbeiten. „Ich glaube in der Kunst kommt man nie an ein Ende. Selbst wenn einem ein Werk zunächst zufriedenstellend erscheint, findet sich meist doch wieder etwas, das man noch verbessern könnte“, so die Künstlerin. Sie hegt die Hoffnung, dass ihr dieser Antrieb nie verlorengeht. Die Teilnahme an Wettbewerben unterstützt diesen Ansporn zusätzlich, denn dort zeigt die internationale Konkurrenz, welche außergewöhnlichen Kunstwerke andere zu erschaffen in der Lage sind.

Besonderen Wert legt Jutta Michels auf die Ausarbeitung des Gesichtsausdrucks. „Wenn mich die Augen lebendig ansehen, ist der wichtigste Schritt geschafft“, erklärt die Künstlerin gutgelaunt. Der Entwurf jedes neuen Tiers ist eine Herausforderung, die die Arbeit interessant macht. Dabei helfen ihr die Vorkenntnisse aus der Malerei ungemein. „Ich muss das Gezeichnete nur noch in die dritte Dimension umsetzen“, meint die Kunstschaffende, als ob es das Selbstverständlichste auf der Welt sei.

Schaffensprozess

Jutta Michels arbeitet mit verschiedenen Werkstoffen, um ihre Teddys und Tiere perfekt in Szene zu setzen. Für die kleinsten Tiere kommen synthetische Stoffe wie Longpile oder Smokey Longpile zum Einsatz. Ansonsten bevorzugt die Künstlerin Mohair und Alpaka, je nachdem, was für ein Wesen entstehen soll. Accessoires spielen bei den szenischen Darstellungen natürlich eine große Rolle und manchmal geben sie einem Tier den ganz besonderen Pfiff. „Accessoires sollen aber immer nur ergänzend wirken und nie dominieren. Ich liebe es, auf den Internetseiten guter Miniaturenkünstler oder auf entsprechenden Messen originelle Stücke auszusuchen und zu verwenden.“

Neben dem traditionellen Nähen von Teddys ist das Nadelfilzen seit einiger Zeit ein wesentlicher Bestandteil des künstlerischen Schaffens von Jutta Michels. „Ich verwende die Technik entweder in Kombination mit einem genähten Tier, um zum Beispiel einen bestimmten Gesichtsausdruck zu erzielen, oder als komplett gefilztes Sujet.“ Beim Nadelfilzen wird das Tier ohne Schnittvorlage aus Wolle aufmodelliert. Diese Technik ermöglicht Darstellungen, die beim Nähen nur durch sehr komplizierte Schnittführungen zu erreichen wären. Da es keine Nähte gibt, wirken die Tiere sehr natürlich.

Zukunftsträchtig

Der Künstlerin ist bewusst, dass sich die Teddy-Szene wie alle künstlerischen Bereiche weiterentwickelt. „Es ist sicher nicht mehr damit getan, den Teddy nur in Größe und Farbe abzuwandeln. Da hat selbst der treueste Sammler bald genug. Ideenreichtum ist gefragt. Außerdem hat sich die Szene ja auch für andere Tiere geöffnet, was meiner Arbeit sehr zugutekommt“, erklärt Jutta Michels. „Mancher Sammler kauft sich jetzt einen tierischen Freund für seinen Bären.“ Gerade heute, in unserer schnelllebigen und stressbehafteten Zeit, ist es wichtig, einen Gegenpol zu schaffen und der Seele etwas Gutes zu tun. Dafür lebt und arbeitet Jutta Michels.

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