Seelenbären

Marion Krauskopf fertigt Teddys pur

25. Juli, 2011 - Kategorie: Aktuell, Teddy- und Plüschtierwelten
Seelenbären

Im Atelier von Marion Krauskopf entstehen vor allem klassische Petze. Gefertigt im traditionellen Stil, unverfälscht und ohne Schnörkel – eben Teddybär pur. Die gebürtige Hamburgerin lebt seit Kindheitstagen in Schleswig an der Schlei. Sie ist also ein waschechtes Nordlicht. Diese sind ja für ihre schnörkellose Art bekannt, die in anderen Landesteilen bisweilen als ein wenig unterkühlt wahrgenommen wird.

Bei der Fertigung ihrer Bären verzichtet die stets gut gelaunte Künstlerin auf ausgeklügelte Accessoires. Dekorationen aus Strass, Federn und grellen Farben findet man bei Marion Krauskopfs MajonBären nicht. Allenfalls einmal eine Hose oder ein Kleid, vielleicht auch ein Blümchen oder eine kleine Schleife am Ohr. Das höchste der Gefühle ist ein Glöckchen, das der Petz um den Hals trägt. Der Verzicht auf ausschweifendes Zubehör tut ihren Bären gut. Sie haben eine Seele, in der man versinken kann, ohne dass alberner Zierrat den Eindruck stört. Die Kreationen der 52-jährigen gelernten Krankenschwester brauchen keine Aufwertung. Sie wirken ganz für sich allein und sind immer präsent, ohne dabei aufdringlich zu sein. Mit ihrem klassischen Stil fügen sie sich leicht in jede Sammlung ein. In Kombination mit farblichen Akzenten sind ihre Klassiker – überwiegend Unikate, seltener kleine Serien – gerne auch mal auf antik getrimmt.

Anfangszeit

Während ihrer ersten Jahre als Teddykünstlerin fertigte Marion Krauskopf, die das Bärenmachen als Berufung empfindet, als etwas, „das einfach zu meinem Leben gehört“, gerne stehende Exemplare von Meister Petz. Darauf folgte eine Phase, in der viel skulptiert wurde. Markenzeichen aller frühen MajonBären: die auffällig großen Nasen und Pfoten.

Wie bei vielen Bärenkünstlerinnen bereitete eine Bastelpackung den Weg vom Hobby zur künstlerischen Tätigkeit. „Beim Aufräumen des Dach­bodens Mitte 1997 fand ich meinen Teddy aus Kindertagen. Er war an den Pfoten ein wenig lädiert und ich versuchte, den Stoff dort auszutauschen. Das gelang mir nur sehr mäßig, meine Neugierde aber war geweckt.

Ich entdeckte eine Teddy-Fachzeitschrift und war fasziniert von den schönen Bären. Es dauerte nicht lange und ich legte mir meine erste Bastelpackung zu. So entstand mein Erstlingsteddy. Für eine Anfängerin gelang er mir eigentlich recht gut. Ich nannte ihn Philipp und selbstverständlich besitze ich ihn heute noch.“

Wiedererkennungseffekt

Des reinen Nachnähens wurde Marion Krauskopf bald überdrüssig und im Frühjahr 1998 entwarf die Norddeutsche ihre erste Eigenkreation. Es folgte eine Zeit des Experimentierens, in der Marion Krauskopf der entscheidende Schritt Richtung Bärenkunst gelang. Sie fand ihren eigenen, ganz persönlichen Stil und eine Machart, die man ihr zuordnen kann. Die MajonBären haben einen individuellen Look, einen deutlichen Wiedererkennungswert und damit eine der wichtigsten Voraussetzungen für Sammlerobjekte.

In den folgenden Jahren agierte Marion Krauskopf überaus kreativ und wurde in der Plüschtierszene schnell heimisch. Sie war auf allen einschlägigen Events vertreten. Bei diesen doch recht aufwändigen und bisweilen nervenaufreibenden Messereisen konnte sie sich auf die tatkräftige Unterstützung durch ihren Ehemann verlassen. Das Engagement der Familie Krauskopf blieb nicht ohne Erfolge: Die MajonBären wurden immer begehrter. Kunden aus der ganzen Welt begeisterten sich für die charaktervollen Mohairkreationen aus Schleswig.

Doch plötzlich, im Jahr 2004, war die Künstlerin ausgebrannt. „Mir ging buchstäblich die Puste aus. Ich hatte keine Inspiration mehr für neue Bären. Nichts funktionierte so richtig“, beschreibt Marion Krauskopf diese schwierige Zeit. Sie tat das einzig Richtige und legte eine kreative Pause ein. Im Zuge dessen konzentrierte sie sich ausschließlich auf ihren Beruf als Krankenschwester. Vier Jahre später gab es erneut einen gravierenden Einschnitt im Leben von Marion Krauskopf, denn schwerwiegende gesundheitliche Probleme zwangen die lebhafte Frau, ihren Beruf aufzugeben. „Ich fiel erst einmal in ein schwarzes Loch. Doch zum Glück hatte ich ja noch meine Teddybären, denen ich mich nun wieder zuwandte. Durch die Beschäftigung mit den Petzen und die Wiederentdeckung meiner Kreativität habe ich die Krise gemeistert und schnell überwunden.“

Seit etwas mehr als einem Jahr ist Marion Krauskopf nun wieder dabei und mischt seither kräftig in der Teddy­szene mit. Sie widmet sich mit Begeisterung der Gestaltung ihrer wundervollen Bären und konnte schnell an frühere Erfolge anknüpfen. „Die Tätigkeit macht mir enormen Spaß, die Ideen fließen und ich kann gar nicht mehr verstehen, wie ich es so lange ohne die Teddys aushalten konnte“, freut sich die Künstlerin über die positive Wende in ihrem Leben.

Augenmaß

MajonBären sind zwar zum überwiegenden Teil aus Mohair gefertigt, hin und wieder arbeitet Marion Krauskopf aber auch mit Viskose. Die Pfoten bestehen aus Filz oder Kaschmir. Als Füllmaterial bevorzugt die norddeutsche Künstlerin traditionelle Schafwolle. Um die perfekte Beschwerung zu erreichen, greift sie auf Stahlgranulat zurück. Besonderen Wert legt sie auf die Gestaltung des Kopfs, des Gesichts und die Augen. Verwendet werden ausschließlich Glasaugen „Made in Germany“, die exklusiv nach ihren speziellen Wünschen angefertigt werden. Diese Augen harmonieren exakt mit dem Charakter des jeweiligen Exemplars und sorgen somit für einen stimmigen Gesamteindruck. „Das ist auch das, worauf die Sammler besonders achten. Die Ausstrahlung eines Bären ist entscheidend. Unabdingbar ist es dabei, mit höchster Sorgfalt zu arbeiten: sich lockernde Gelenke, Nähte, die nicht halten werden – das sind Dinge, die bei Sammlerbären einfach nicht vorkommen dürfen“, ist sich die Künstlerin sicher.

Die Ergebnisse eines solch qualitäts­bewussten Designs honorieren auch Juroren weltweit. Vor ihrer Auszeit nahm Marion Krauskopf erfolgreich an nahezu allen renommierten Ausstellungen und namhaften Wettbewerben der internationalen Bärenszene teil. Als besonderes Highlight empfindet sie noch heute die im Jahr 2002 erfolgte Nominierung eines ihrer Geschöpfe zum TITA-Award in Japan. „Der nominierte Bär reiste dafür extra nach Tokio“, erzählt die Künstlerin stolz.

Ausgestellt

Mitte Juli 2011 nahm Marion Krauskopf an einer weltweiten Online-Show, der Bears On Parade, teil. Im Zuge dieser virtuellen Ausstellung wurden insgesamt 75 ausgesuchte, international bekannte Künstler zusammen mit ihren Sujets vorgestellt. „Ich habe im Februar dieses Jahres schon einmal an einer solchen Show teilgenommen, es ist eine aufregende Sache. Allerdings kann so etwas nie und nimmer die Atmosphäre einer richtigen Börse haben, da der persönliche Kontakt mit Kollegen, Käufern und Sammlern eben doch fehlt“, so Marion Krauskopf.

Auf das Flair der typischen Teddy­börsen, deren spezielle Impressionen mit Tuchfühlung und Augenkontakt möchte sie jedoch nicht verzichten. Zum Glück gibt es für die gesundheitlich angeschlagene Künstlerin noch genug Veranstaltungen in erreichbarer Nähe, bei denen genau das erlebbar ist, was ein echter Bärenfan braucht: Sammlerfieber, Herzblut und Teddymania. Günstig gelegen für die Schleswiger Teddymacherin ist die Hansebär, die in diesem Jahr wieder am ersten Advent in Hamburg-Schnelsen stattfindet. Nach etlichen Jahren Ausstellungsabstinenz präsentieren sich dort wieder einmal die MajonBären live zum Anfassen. Eine spannende Angelegenheit – sowohl für die Künstlerin als auch die Fans ihrer Geschöpfe.

Inspirationen

Marion Krauskopf arbeitet stets nach Lust und Laune. „Ich habe kein festes, tägliches Arbeitspensum, das ich absolvieren muss. Wenn die Zeit da ist und ich vor Einfällen übersprudele, setze ich mich an meinen Nähtisch. Das ist die Voraussetzung für gelungene Teddybären: Ich muss mich wohlfühlen und Freude empfinden, während ich arbeite. Man sieht es den Bären einfach an, wenn sie nur mit halbem Herzen entstehen“, sagt die Künstlerin mit Bestimmtheit. Regelmäßige Erholungszeiten, frei vom Teddymachen, plant Marion Krauskopf im Alltag ein. Dazu gehören lange Spaziergänge mit Hündin Ronja oder das Arbeiten im Garten.

„Das Bärenmachen hat wieder einen sehr großen Stellenwert in meinem Leben, es bedeutet für mich Kreativität, Freude am Schaffen von Neuem, Selbstbestätigung und innere Zufriedenheit. Nicht zu vergessen die Kontakte mit den
unterschiedlichsten Menschen aus vielen Nationen: da gibt es Freundschaften, die ohne Bären nie entstanden wären“, erklärt Marion Krauskopf.

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