Botschafterin in Sachen Teddys – Bärenmacherin Gloria Chan aus Hongkong

von Redaktion • 2.7.2010 • Kategorie: Aktuell, TeddyweltenTEDDYS-kreativ bestellen

Zweimal erst bin ich Gloria Chan aus Hongkong begegnet: beide Male auf der Messe Teddybär Total in Münster. Und jedes Mal war ich überrascht von ihrer Vitalität, dem nahezu missionarischen Geist, mit dem sie auszieht, ihre Mitmeschen mit der Teddymania anzustecken.


Akrobatisch und gelenkig: „Bear can stand on one foot“ – Bär, der auf einem Fuß stehen kann


„Finance Controller“: Finanzkontrolle auf chinesische Art


Ein Bär in der Bekleidung einer chinesischen Prinzessin


Gloria Chan im Kreise ihrer handgefertigten Teddybären


Ein Teddypärchen brachte der Bärenkünstlerin 2009 den begehrten TOBY Award


Für dieses Bärenbienchen gab es eine Nominierung für den „URSA Award“, den Preis eines US-amerikanischen Veranstalters


Eine erst elfjährige Schülerin Gloria Chans fertigte diese Teddys


Diese Polarbären hat Gloria Chan mit der Nadel gefilzt und mit einem doppelten Gelenk versehen


„Holiday Time“ (Ferienzeit) ist für diesen frohgelaunten Gesellen aus Gloria Chans Werkstatt angesagt


Ein ideales Geschenk für einen, der mit dem Rauchen aufhören möchte: „Die letzte Zigarette“

Kontakt
Gloria Handicraft Studio
Shop 110 Peninsula Center
67 Mody Road
Tsim Sha Tsui East
Kowloon
Hongkong

Eine kleine Frau mit eisernem Willen und gesegnet mit einer gehörigen Portion Kreativität. Kunst und Handwerk sind ihre große Passion, gehen bei ihr Hand in Hand. Innerhalb der Hongkong Teddy Bear Association (HKTBA) bietet sie seit schon 22 Jahren eine Plattform für Gleichgesinnte, also Menschen, die es lieben, sich miteinander über ihr Hobby auszutauschen – auf allen möglichen Ebenen. Es sind meist Leute, die vernarrt sind in Künstlerbären, wie Gloria. Ihr Anliegen ist es, das Handwerk des Bärenmachens zu einer Kunstform zu steigern, die Jung und Alt offen steht, die bereichert, beglückt und Ansporn bietet, alles zu geben. Längst ist für Chinesen ein Teddy mehr als ein Stofftier, dank Gloria und dem Einsatz ihrer Mitstreiterinnen.

Bären mit Seele

Gloria macht nämlich Bären mit Seele. Jeder ihrer Charaktere wird noch unterstrichen durch typgerechte Kostüme, traditionelle chinesische Gewänder wie ihre Chinese Boy Collection die im Korea Teddy Bear Museum zu bewundern ist. Sie weiß, wie man mit spinnwebendünner, weicher chinesischer Seide umgeht, wie man kunstvolle Knöpfe aus Seidenschnur und Kordel gestaltet oder mit Goldfäden fantasiereiche Verzierungen ins feine Gewebe stickt. Und dann diese faszinierenden, winzigen Blumen, die sie mit Zauberhand arbeitet – fast so schön wie die Natur selbst. Mit diesen zarten Blütengebilden schmückt sie Puppenhäuser und Bären. Künstlerisches Flair und eingehende Naturbetrachtung sowie Geduld helfen ihr dabei, Stoffe so zu verarbeiten, dass die kleinen Blumen und Blüten ihren charakteristischen Ausdruck erreichen. Historische Kostüme werden von ihr genauso akribisch recherchiert, wobei Lektüre wie „Chinesische Drachen-Roben“ und Bücher über chinesische Makramee-Technik eine große Hilfe sind.

Wer das Glück hat, Hongkong zu besuchen, sollte Zeit haben für einen kurzen Besuch in ihrem kleinen, aber feinen Gloria Handicraft Studio in Kowloon. Es ist ziemlich überschaubar, weshalb sie gelernt hat, ihre Bären und Zubehör geschickt und optimal auf engstem Raum in Szene zu setzen. Im hinteren Teil befindet sich sogar ein Miniatur-Studio. Raum und Zeit, um ihre Perlen der Weisheit – der Teddygestaltung – an ihre Schüler weiterzugeben, findet Gloria immer.

Prominente Schüler

1996, als Gloria als Teddykünstlerin noch in den Startlöchern stand, begegnete sie auf der Hongkong Toy Fair im Connection Centre Helga Schepp von Bear by Bear. „Helga brachte mir damals all die vielen kleinen Kniffe – „tricks of the trade“ – bei, erlaubte mir, Bären nach ihren eigenen Schnittmustern anzufertigen.“ Seitdem kann sie nicht aufhören, immer wieder neue bärige Kreationen aus dem „Kimonoärmel“ zu schütteln, trüge sie denn einen.

Zu ihren Schülern gehört zum Beispiel Rosalie Carpio, ein bärenstarkes Talent, die in zehn Sprachen nicht nur mit ihrer rauchigen jazzigen Stimme die High Society von Hongkong vom Hocker reißt, sondern auch mit den Teddys, die sie kreiert. Und nicht nur zur eigenen Freude. Nein, die Sängerin verkauft auch gut über ihre Homepage
(www.rosalies-bears.com) und Glorias Geschäft. „Rosie“, sagt die gebürtige Australierin, ein waschechter „Aussie“ aus Melbourne, „ist mein Name und rosig mein Gemüt“. Und so tragen auch die meisten ihrer bärigen Söhne und Töchter eine Rose im Namen und eine im Herzen. Singt sie: „I get a kick out of you“ (Ich habe mächtig Spaß an dir), hofft sie, dass ihre Teddys ebenfalls im Betrachter ein solches Gefühl auslösen. Originell sind Rosalies „Chinese Horoscope Teddies“, die die Tierkreiszeichen des chinesischen Horoskops darstellen. Einen „Kick“ bekommt man spätestens bei den quietsch-orange-farbigen, schlaksigen, langnasigen, Gitarre spielenden Teddys, die auf großen Tatzen leben und ihr geliebtes Surfbrett an sich drücken.

Auch Promis aus der Welt des internationalen Rudersports hat Gloria Chan für das Hobby für alle F(ä)elle begeistert. So schaut Fenella Ng, ehemaliges Mitglied des Hongkong Olympischen Ruderteams gern bei ihr vorbei, kauft ein schönes Stück Mohairstoff, pfiffige
Accessoires und neue Gadgets, technische Spielereien, die das Nähen erleichtern. Im Jahr 2000 schuf sie für die Olympischen Spiele in Sydney ihr eigenes Teddy-Maskottchen, auch als Andenken daran, dass sie während der Eröffnungszeremonie die Flagge von Hongkong tragen durfte. Die berühmte Sportlerin findet ihr Hobby entspannend und spannend zugleich. Rosalie Carpio und
Fenella Ng sind beide begeisterte Mitglieder der Hongkong Teddy Bear Association. Gloria Chans Kontakt zu Helga Schepp ist ebenfalls nie abgerissen.

Teddybär global

In Gloria Chans Kursen werden traditionelle deutsche Techniken vermittelt, wie sie von Helga Schepp, der „Päpstin deutscher Bärenkunst“, angewandt werden. „Die erfolgreichen Absolventen der Kurse“, so Gloria Chan, „erhalten das Zertifikat von Helga Schepp, Vorsitzende von ‚Bear by Bear‘. Künstlerbären werden meist in Europa und den USA gemacht, von Männern und Frauen, die sich dieser schönen Aufgabe mit Hingabe widmen mit besonderem Augenmerk auf die Gestaltung von Kopf, Körper und Bekleidung. Sie sind detailverliebt. Ihr Jagdinstinkt führt sie in Antiquitätengeschäfte, um kostbare alte Stoffe und Zubehör aufzuspüren. Oft fertigen sie diese nach eigenen Vorstellungen selbst an.“ Gloria Chan weiß, dass man in Europa ganz bewusst einem Neugeborenen einen Teddy in die Wiege legt, als kleinen Freund und Wegbegleiter durch Dick und Dünn. „Dies“, erklärt sie ihren Schülern, „ist der Grund, warum der Teddybär im Herzen der Menschen einen besonderen Platz einnimmt. Und ist er aus Mohair, dann ist ein Teddy besonders langlebig. Mohair ist ein ganz besonderer Stoff, er kann bis zu 100 Jahre halten.“

Gloria Chans Liebe zum Teddy ist ebenfalls fürs Leben. Mit einem Teddy im Arm träumt sich Jung und Alt in eine bessere, schönere Welt. Seine tröstende, beschützende, heilende Wirkung kann sie nie genug hervorheben. Vielleicht hat sie deshalb den „Healing Bear“, den heilenden, Pflaster und Medizinfläschchen tragenden Teddy kreiert. Gloria Chan ist eben ständig auf der Suche nach neuen Ufern der Kreativität.

Mehr als ein Spielzeug

Schon seit 1998 veranstaltet Gloria Chan regelmäßige Bären-Workshops. Sie gründete die bereits erwähnte Hongkong Teddy Bear Association und funktionierte ihren Geschenkartikel-Laden in das Bären­geschäft um, das es heute ist. Hier gibt es nicht nur Künstlerteddys und Zubehör, nein, es werden auch Kurse abgehalten. Seit 2004 organisiert sie mit Begeisterung Bärenbörsen und Wettbewerbe. 2005 folgte ihre erste Veröffentlichung „Hong­­kong Bear Voice“, ein Buch über die internationale Bärenszene in ihrer Muttersprache. „Es war die erste chinesische, sehr komplexe Veröffentlichung über Teddybärkünstler aus insgesamt zwölf Ländern, darunter 30 aus Hongkong. Aufgelistet wurden auch Veranstalter von Kongressen sowie Börsen, Lieferanten von Mohairstoffen, ebenso Museen wie das Hongkong Teddy Bear Kingdom und das Korea Bear Museum.

Im Fernsehen, Radio und in den Redaktionen ist sie ein gern gesehener Gast,
wenn es darum geht, die chinesischen Zuhörer und Zuschauer mit dem Charme, dem Zauber der von Künstlerbären ausgeht, bekannt zu machen. „Künstlerbären“, so Gloria Chan, „sind so viel mehr als nur ein Spielzeug.“


1 Antwort »

  1. Toll, dass Teddys Kreativ auch Künstlerinnen aus aller Welt vorstellt. Da merkt man erst, dass Bärenliebhaber überall auf dem Erdball anzutreffen sind. Ein tolles Gefühl. Danke Teddys Kreativ.

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